KI-Telefonassistenten — also Voice Agents die eigenständig Anrufe entgegennehmen, Fragen beantworten und Termine buchen — klingen nach Science Fiction. Oder zumindest nach Enterprise-Budget. Beides stimmt nicht mehr.
Ich habe selbst einen Voice Agent aufgebaut und betreibe ihn seit einigen Wochen. Hier ist meine ehrliche Einschätzung.
Was Voice AI heute kann
Moderne Voice Agents können erstaunlich viel — wenn man sie richtig konfiguriert:
- Anrufe 24/7 entgegennehmen und natürlich klingen
- Häufige Fragen (FAQ) zuverlässig beantworten
- Termine buchen und in Kalender eintragen
- Anrufer qualifizieren und an die richtige Person weiterleiten
- Gesprächsnotizen automatisch ins CRM übertragen
Die realen Kosten
Das überrascht viele: Voice AI ist erschwinglich. Mit dem Stack den ich nutze (ElevenLabs + Vapi + Twilio) kostet ein Gesprächsminute ca. 5-10 Cent. Bei 200 Anrufen à 2 Minuten im Monat: ~20-40€.
Zum Vergleich: Eine Teilzeitkraft für Telefonempfang kostet 1.000-1.500€/Monat. Der Break-even liegt also bei einem Bruchteil.
Wann es sich lohnt — und wann nicht
Lohnt sich für:
- Handwerker, Ärzte, Friseure — viele Terminanfragen außerhalb der Öffnungszeiten
- Online-Shops mit wiederkehrenden Support-Fragen
- Dienstleister mit standardisierten Erstgesprächen
Noch nicht ideal für:
- Sehr beratungsintensive Branchen (Recht, komplexe Finanzberatung)
- Ältere Zielgruppen die keine KI-Telefonie mögen
- Betriebe mit sehr wenigen Anrufen (<5/Tag)
Was ich aus meiner eigenen Implementierung gelernt habe
Der technische Aufbau dauert 1-2 Tage. Die eigentliche Arbeit steckt im Prompt Engineering — also darin, dem Agent beizubringen wie er klingt, was er sagt und wann er eskaliert. Das braucht Iteration.
Nach 3 Wochen lief mein Agent zuverlässig. Fehlerquote bei Standardfragen: unter 5%. Bei unerwarteten Fragen eskaliert er sauber weiter.
Mein Urteil
- Technisch ausgereift — heute einsatzbereit, nicht Zukunft
- Kosten: 20-100€/Monat je nach Anrufvolumen
- ROI positiv ab ca. 30-50 Anrufen/Monat
- Setup: 1-2 Tage Technik + 1 Woche Feintuning
- Empfehlung: Pilotprojekt mit 30 Tagen Testphase